Der co-schwangere Mann

Wir alle kennen Männer, deren Bauchumfang während der Schwangerschaft ihrer Partnerin parallel mit gewachsen ist. Aber Männer können keine Kinder bekommen. Darin ist sich die Wissenschaft einig. Es gibt aber Männer, die während dieser Zeit sogar über Schmerzen im Unterleib und andere Beschwerden klagen. Angefangen bei körperlichen Symptomen wie Sodbrennen, Veränderung des Appetits, Rückenschmerzen oder gar Übelkeit. Manche Männer klagen aber auch über beispielsweise Schlaflosigkeit und Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen. Alles typische Symptome einer Schwangerschaft. Ob Männer aber schwanger oder zumindest co-schwanger werden können oder nicht, darüber streiten sich die Geister. Einen Namen für die Symptome gibt es aber schon: Forscherinnen und Forscher bezeichnen es als das Couvade-Syndrom. In Anlehnung an das französische Wort „couver“, das „hegen/ausbrüten“ bedeutet.

Das Couvade-Syndrom

Untersuchungen zu dem Phänomen gibt es nur wenige und die, die es gibt, weichen massiv voneinander ab. Die eine besagt, dass lediglich elf Prozent der Männer davon betroffen sind, eine andere spricht von bis zu 97 Prozent. Die eine sagt, dass die Symptome insbesondere bei jungen werdenden Väter unter 30 Jahren besonders ausgeprägt sind, andere, dass es eher die über 30-Jährigen betrifft. Man ist sich lediglich darin einige, dass das Couvade-Syndrom vor allem im ersten bzw. dritten Drittel der Schwangerschaft der Partnerin auftritt und nach der Geburt von jetzt auf gleich wieder verschwindet. Also das Syndrom. Nicht der Bauch. Diesen wieder zu verlieren ist für Männer nach einer Schwangerschaft schwieriger als für Frauen.

Es gibt allerdings Untersuchen, die sich mit dem Hormonhaushalt von Männern während der Schwangerschaft ihrer Partnerin beschäftigen. Diese zeigen, dass die betroffenen Männer das Couvade-Syndrom nicht vortäuschen. Tatsächlich verändern sich bestimmte Hormonwerte. Prolaktin, Östrogen und auch der Spiegel des Steroidhormons Cortisol steigen, während das männliche Sexualhormon Testosteron sinkt. 

Der fürsorgliche Vater – nichts neues

Die Wissenschaft vermutet, dass die hormonelle Veränderung eine Art biologisches Programm für die „Brutpflege“ ist, aber gleichzeitig auch für die Beschwerden verantwortlich. Einen Beleg dafür gibt es aber nicht. Unterstützt wird die These aber von einem Forscherinnen und Forscherteam um Lee T. Gettler, Professor an der University of Notre Dame in Indiana (USA). Das Team hat herausgefunden, dass Väter schon lange bevor sie zum Versorger wurden, eher fürsorgliche Väter waren. 

Die These der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler: Um zu überleben, mussten Frauen und Männer schon immer ihre Nahrungsmittel teilen. Aber Teilen setzt verlässliche Partnerinnen und Partner innerhalb einer Gemeinschaft voraus. Sammeln kann man immer. Die Früchte rennen nicht weg. Sie hängen fest an den Bäumen und Sträuchern und fallen maximal auf den Boden. Auch kleiner Tiere und Insekten lassen sich leicht einfangen und sind somit eine sichere Nahrungsquelle. Jagen ist dagegen schwieriger und noch dazu wenige vorhersehbar. Die Forscher:innen gehen daher davon aus, dass die Männer nicht regelmäßig auf Jagd waren und das Gejagte auch nicht im großen Stil geteilt haben. Wenn Frauen tatsächlich in erster Linie Sammlerinnen und Männer Jäger waren, bedeutet das, dass die Männer von den Frauen abhängig waren. Um also in den Genuss von Nahrungsmitteln zu kommen, mussten sich die männlichen Mitglieder der Gemeinschaft um den Nachwuchs kümmern.

Belege für ihre These fanden die Forscher und Forscherinnen bei nicht-menschlichen Primaten, wie den Pavianen, Gorillas und Makaken. Alle sind dem Nachwuchs gegenüber sehr tolerant. Dass diese Fürsorge fest in der männlichen Biologie verankert ist, zeigt sich laut der Forscher:innen, im niedrigeren Testosteronspiegel der Männer, während der Zeit, in der sie sich vermehrt um den Nachwuchs kümmern. 

Neid auf die Schwangerschaft

Es gibt aber auch die Theorie, dass es sich bei dem Couvade-Syndrom um rein psychosomatische Beschwerden handelt. Denn auch für Männer sind eine Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes Ausnahmesituationen. Insbesondere wenn sich das Paar sehr nah ist, kommt es angeblich vermehrt zum Couvade-Syndrom. Aber ähnlich dem Freudschen Penisneid, sagt man, dass die Ursache bei den werdenden Vätern auch im Neid auf die Rolle der Mutterschaft begründet liegen kann. 

Aber wie auch immer dem sei. Egal, welches die Ursachen für das Couvade-Syndrom sind, väterliches Engagement wirkt sich immer positiv auf die Entwicklung des Kindes aus. 

Bildnachweis: Pexels – Jeshoots

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